Ortsgeschichte - Gemeinde Saaleplatte

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Ortsgeschichte

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Veröffentlichung zur Geschichte von Stobra aus dem Jahr 1954

Germanische Volksstämme, insbesondere die Cherusker oder die Herminduren, werden als Gründer einer ganzen Reihe uns eng benachbarter Orte angesprochen. Um 300 n. d. Zw. sollten diese Orte, zu denen auch Stobra gehört, entstanden sein. An der früher viel befahrenen Straße von Weimar nach Camburg zwischen Hermstedt und Kösnitz, liegt Stobra, fast 300 m ü. d. M. Damals bestand nur ein Zugang in das kreisförmig um den Dorfplatz angeordnete Dorf. Der Ausgang nach Apolda wurde erst 1733 angelegt und 1851 zum Fahrweg erweitert.

Der Rundweg um das Dorf ist vielleicht die Andeutung einer früher vorhanden gewesenen Dorfmauer und des zugehörigen Wassergrabens. De Burggrafen von Kirchberg waren die ersten nachweisbaren Besitzer der Burg und Herrschaft von Kapellendorf. Weitere weltlich und geistliche Besitzer von Stobra waren die Ritter von Isserstedt (1328), die Grafen von Schwarzburg und der Rat von Erfurt (1350, Amt Kapellendorf). Natürlich dürfen die Klöster nicht fehlen. So war neben dem schon erwähnten Heusdorfer Kloster auch das Kloster von Kapellendorf Bodenbesitzer und Fronherr in Stobra.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1380 wird als Zeuge ein "Johann, messirsmet von Stobore" - Johann Messerschmidt von Stobra - genannt. 1460 erscheint Stobra als "Storbe". 1580 kam das Amt Kapellendorf - und somit auch Stobra - als Pfand an die Wettiner, die es 1667 endgültig in Besitz nahmen. Von diesem Jahre an kam Stobra an das Herzogtum Sachsen-Weimar.

Ab 1818 gehörte es dann zum Amt Dornburg und ab 1850 zum Amtsgerichtsbezirk Apolda.

Streitbare Bauern
Bei den im 15. und 16. Jahrhundert üblichen vielen Scharmützeleien war es Sitte, dass sich die Gegner weit aus dem Wege gingen, um die dem Feinde gehörenden Ort- und Liegenschaften möglichst ungestört brandschatzen zu können. Dieser feigen Unsitte fielen auch einmal die Stobraer zum Opfer. Der Graf von Gleichen und andere ihm verbündete Edelleute hatten eine Fehde gegen Erfurt, zu dem Stobra damals gehörte.

1482 fielen sie über Stobra her und wollten an den völlig ahnungslosen Bauern ihr Mütchen kühlen. Wider Erwarten wehrten sich die Stobraer recht kräftig und ließen dabei sogar einen gegnerischen Hauptmann in das Gras beißen. Armselig bewaffnet konnten die Bauern aber ihre Niederlage nicht abwenden. Der Ort wurde vollständig geplündert und vier Bauern wurden als Gefangene mit fortgeschleppt. Über ihr Schicksal ist nichts mehr bekannt geworden.

Leidensjahre
Im 30-jährigen Kriege hatte Stobra unter den Drangsalen der marodierenden Soldateska vieles zu erdulden. Ein Bericht aus dem Jahre 1640 sagt aus, dass die Soldaten "auch das Schulhaus" niedergebrannt hätten und die Bauern mangels jeder Nahrung im Begriff waren, nach dem Vogtland auszuwandern. Einige hätten das schon im Vorjahre getan.

1642 war kein Stück Vieh mehr im Dorfe aufzutreiben. 17 Häuser waren von 76 Menschen bewohnt; 42 Wohnhäuser standen leer. 198 Acker waren bebaut, 761 lagen wüst. Der damalige Pfarrer aus Hermstedt, August Kromyer, berichtete klagend:

"Die Kirchhäuser zur Hermstedt und Stobra haben ein sehr wüstes und erbärmliches Aussehen. Denn nicht allein haben die Soldaten vor 6 Jahren in denselben alle Stühle verbrannt und zu Asche gemacht, dass die Leute sich auf Steinen behelfen müssen, sondern sind auch die Dächer an beiden Orten meistenteils offen, dass das Wasser, wenn es regnet, mit Gewalt herabfließt..."

Im Jahre 1774 brannte das ganze Dorf ab, nur die Kirche blieb erhalten. Beim Neuaufbau wurde die alte Form des Dorfes wieder hergestellt. Aber da bedrückten noch andere, härtere Lasten die Schultern der Bauern. So nach und nach hatten die früheren "Herrn" eine Frone nach der anderen den Stobraern aufgehalst. Nur 16 Anspänner durften im Dorf sein. Diese hatten für das ehemalige Klostergut Kapellendorf die Bewirtschaftung einer unbestimmten Anzahl Äcker zu versehen. Es lag nun ganz bei der Klostergutverwaltung, wie oft die Bauern mit ihrem Fuhrwerk zum Frondienst herangezogen wurden.

1821 wurden die Bauern davon erlöst. 1828 fiel die "Baufrone" und 1834 die "Holzfrone" weg. Außerdem hatten 10 (!) verschiedene Kammergüter in der Flur von Stobra das Triftrecht. Die Ablösung zog sich bis 1864 hin.

1851 erfolgte auch endlich die Ablösung der Lehens- und Erbzinsen.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Dorf zusehends. 1868 wurde die alte Emporenkirche (außer dem Turmteil) völlig abgerissen und durch ein neues Schiff ersetzt. Bereits 1855 war die Orgel renoviert worden.

Der 1. Weltkrieg kostete 12 Stobraern das Leben. Aus dem 2. Weltkrieg kehrten 15 Stobraer nicht mehr zurück. Nach Ende des 2. Weltkrieges kam es auch in Stobra - beginnend mit Druschgemeinschaften - im Jahr 1959 zur Bildung der LPG der Typen I, II und III.

Ende der 60er Jahre wurde Stobra zu einem "Rosendorf". (Die Frauen Stobras hatten vor ihren Häusern Rosenbepflanzungen zum 20. Republikgeburtstag angelegt.)

Auch die Feuerwehr von Stobra feiert ihr 100-jähriges Jubiläum. Allerdings finden sich im Kreisarchiv bereits Aufzeichnungen über die Bau- und Feuerpolizei ab dem Jahr 1836. 1933 hatte die Feuerwehr 30 Mitglieder, besaß eine Motorspritze und ein Musterspritzenhaus, von denen es damals in Thüringen nur 3 Stück gab.

Kurt Tischler  
27.05.06

 
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