Für Wanderer - Gemeinde Saaleplatte

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Das über 1000-jährige Münchengosserstädt ist ein Ortsteil der Gemeinde Saaleplatte des Kreises Weimarer Land im Nordosten des Freistaates Thüringen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Die nächstgelegenen Ortschaften sind:

Im Osten:

Stadt Camburg

Entfernung 5 km

Im Norden:

Schmiedehausen

Entfernung 3 km

Im Westen:

Eckolstädt

Entfernung 2 km

Im Süden:

Stadt Dornburg   

Entfernung 7 km über Wilsdorf

Das Erscheinungsbild von Münchengosserstädt wird durch seine geografische Lage auf der nach Osten zur Saale hin abfallenden Flanke der Saale-Ilm-Platte und geschichtlich als Dorf mit vorwiegend ländlichen Strukturen geprägt. Die Landwirtschaft bestimmte über Jahrhunderte das gesellschaftliche Leben. Dieser Ort wird heute noch von Feldern umgeben, die hauptsächlich durch bäuerliche Genossenschaften genutzt werden.

Das Dorf mit heute etwa 240 Einwohnern erscheint beim Durchfahren als ein Straßendorf. Es hat aber einen kompakten historischen Dorfkern um den Dorfplatz mit Gut, Pfarrhaus, Kirche und bäuerlichen Anwesen. Umgeben wird das Dorf von einem grünen Gürtel, bestehend aus Gärten, Plantagen, Hecken und Baumreihen. Zwei kleine Neubaugebiete ordnen sich harmonisch ein. Wer sich von Westen her dem Dorf nähert sieht, wie sich Münchengosserstädt an den abfallenden Hang zur Saale hin anschmiegt.

Bild 1: Sehr gut zu erkennen ist die Lage des Ortes am Hang zum Saaletal hin. Rechts herab (südliche Richtung) ist der sogenannten Graben, in den das Schichtenwasser zur Saale hin bei Döbritschen abgeführt wird.


Münchengosserstädt befindet sich an der östlichen Grenze des Thüringer Beckens, das durch den Trias im Erdmittelalter vor etwa 195 bis 255 Millionen Jahren geprägt wurde. Während dieser Zeit befand sich hier in Thüringen eine großflächige Mulde, die auch vom Urzeitmeer geflutet wurde. Durch Ablagerungen entstand die typische heutige Gesteinsfolge Buntsandstein, Muschelkalk und als jüngste Schicht der Keuper. Da der Untergrund der damaligen Mulde mechanisch sehr stabil war, konnten nachfolgende Erdbewegungen zum Beispiel bei der Heraushebung des Thüringer Waldes und des Wirkens lokaler Störungen (Auswirkung der Finne-Störung bis Camburg sichtbar) vor etwa 20 Millionen Jahren diesen Charakter nicht wesentlich verändern.

Es entstand letztlich das Thüringer Becken mit Erfurt als zentralen tiefen Mittelpunkt ("Erfurter Becken"), von dem aus sich die Triasformationen relativ ungestört gleichmäßig zum heutigen Beckenrand hin erheben. Die einzelnen Gesteinsschichten des Trias schneiden die Erdoberfläche und unterliegen so der Oberflächenabtragung. Die Saale-Vereisung vor etwa 250 000 Jahren hatte nachhaltigen Einfluss auf den Verlauf der Flüsse, die Talformen und lokale Kies- und Lößvorkommen.

Das Dorf "steht" so auf dem älteren und mittleren Muschelkalk, dessen Schichtungen an den Saalehängen um Camburg sehr gut beobachtbar sind. Das Flussbett der Saale, der nahen Ilm und die Flußhänge wurden eiszeitlich geprägt. Während der letzten Eiszeit befand sich hier ein eisfreier Raum zwischen der nördlichen und der südlichen Eisgrenze. Im Tal stauten sich die Schmelzwasser der Gletscher. In den Stausee hinein fließende Bäche rissen Gesteinsmassen der Oberfläche mit. Es entstand eine reich gegliederte Landschaft von Tälern, Taleinschnitten, Wäldern und Flächen rund um die Flüsse. Eine solche Fläche ist die Saale-Ilm-Platte als Teilformationen des Thüringer Beckens.

Heute wird das Thüringer Becken durch den Verlauf der Saale im Osten begrenzt und damit etwa der Muschelkalkausdehnung gleichgesetzt. Weiter östlich und südlich wurde der Muschelkalk bereits soweit abgetragen, dass der Buntsandstein sichtbar wird (Bürgel, Stadtroda, Rothenstein).

Münchengosserstädt liegt etwa 250 m über NN. Das Niveau der Saale in Camburg ist etwa 110 m tiefer. Dazwischen erheben sich die Muschelkalkbänke des Trias, die überall "gegenständlich" sind und die Landschaft prägen. Auf den umliegenden Feldern, Wiesen und Wäldern sind Kalksteine zu finden. Die Böden haben einen leichten gelblich-hellen Farbton. An den Feldrainen liegen große Mengen aufgelesener Steine, die sich jedes Jahr aus der felsigen Unterlage durch Wasser und  Temperaturunterschiede lösen, an die Feldoberfläche gelangen und von dort aufgelesen werden.

Dem aufmerksamen Wanderer entgehen dabei nicht die Vielzahl von Versteinerungen, die hier gefunden werden können. Typisch für unsere Gegend sind Muschelkalkplatten, Ammoniten und Turmschnecken in teilweise guter Qualität. Mit sehr viel Glück sind aber auch Besiedlungsreste aus der Eiszeit und der Jungsteinzeit auffindbar. Originale Fundstücke, zum Beispiel Knochenreste und Werkzeuge, sind in den Heimatmuseen Camburg und Eckolstädt ausgestellt.

Interessante Fundstücke der neueren Zeit können auch aus Kalktufflagen der Hänge aufgesammelt werden. Bicarbonatreiches Schichtenwasser in den Kalklagen quillt aus den Hängen heraus und umschließt dort vorhandene Tier- und Pflanzenreste. Es bilden sich nach dem Auskristallisieren interessante Gesteine, die von sehr kompakt und schwer (Travertin in Ehringsdorf) bis hin zu leicht und porös (Schilftuff an der Saale) auffindbar sind. Die Gesteine wurden und werden zum Haus- und Wegebau verwendet und sind in ihrer Färbung und Gestaltung typisch für die hiesige Architektur oder aber sie finden sich als Dekoration in den vielen Steingärten des Dorfes wieder. So äußert sich das betriebsame Leben im ehemaligen Triasmeer heute wieder in der "Lebendigkeit" der Natursteinmauern des Dorfes und der Steingärten.

Bild 2: Teil einer Natursteinmauer in Münchengosserstädt

Dr. Peter Mader, Geschichtsverein Münchengosserstädt, Juli 2015

Quellen:
/1/  Weber, H.: Einführung in die Geologie Thüringens. Deutscher Verlag der Wisssenschaften, Berlin, 1955
/2/  nn: http://stadt.heim.at/berlin/110748/das_thueringer_becken.htm. Das Thüringer Becken.
/3/  Präsentation Museum der Stadt Camburg, Juli 2003-07-21  
/4/  Präsentation Museum Eckolstädt, Juli 2003-07-21

 
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